Alpaka-Coaching

Noch mal kurz zurück zum Thema ADHS. Ich bin kein spezifische ADHS Coach, ich hätte aber gut einer werden können. Wäre marketingtechnisch sicherlich schlau gewesen. Außerdem habe ich ADHS (oder zumindest die Diagnose) und ich bin Coach. Also, was will man mehr?

Was die handelsüblichen Profis unseres angeblichen Gesundheitssystem mehr wollen, ist einfach: Zertifikate, Nachweise, Gutachten, Diagnosen … kurz: Zettel mit irgendetwas Wichtigem drauf und Stempel. Die habe ich nicht. Allerdings habe ich noch eine vernachlässigte Mediengestalterinnen-Ausbildung und könnte die selber malen. Hilft das?

Was mir persönlich nämlich am meisten geholfen hat, abgesehen von einem zugegebenermaßen wild durcheinander gewürfelten Arsenal aus Tools und Copingstrategien, die ich mir – ja, auch aus diversen Therapien – zusammengeklaubt habe, ist zu verstehen, wie ich funktioniere; wie Menschen funktionieren. Und und wie funktionierst Du?

Natürlich nur, wenn du magst … Ich habe nämlich herausgefunden, dass ich am besten „funktioniere“, wenn ich mit Menschen zusammen bin, die so ticken & denken wie ich. Und das sind nunmal meistens die Menschen, die in ein so genanntes Spektrum von ADHS, HSP, Autismus und wie sie alle heißen, fallen. Neurodiversität. Wobei, fallen stimmt nicht ganz. Ist so ein Spektrum nicht eher ein Netz, das uns alle umschließt? Ein Gemeinsamkeitsnetz … Du weißt, was ich meine? Cool. Welcome.

Dann lass mich noch kurz das mit den Alpakas erklären. Denn was mit einem nebenbei bemerkten Witz über „Sind wir nicht alle ein bisschen Alpaka?“ angefangen hatte, ist eigentlich viel zu wahr.

Dafür bin ich jetzt nicht nur Contextuelle, sondern auch ausgebildete Alpaka-Coachin (offiziell tiergestützte Begleitung, Schwerpunkt Lama/Alpaka) und habe bei der Beschäftigung mit diesen großartigen Tieren festgestellt, dass alle meine Lieblingsmenschen sich, wenn schon nicht auf einem medizinisch qualifizierten, zumindest auf dem Spektrum dieser signifikanter Alpaka-Wesensmerkmale befinden:

  • intelligent 
  • emotional einfühlsam
  • zurückhaltend bis introvertiert
  • gute Spiegel und sensibel für „Schwingungen“ anderer
  • stehen tendenziell eher in Fluchtrichtung 
  • ungeduldig 
  • kommen auf dumme Ideen, sobald ihnen langweilig wird 
  • und nicht zuletzt sehen sie maximal niedlich aus 😉

Ich bin kein ADHS-Coach.

Das nur, falls Missverständnisse aufgetaucht sein sollten. Ich will auch gar keiner sein. Ehrlich gesagt, finde ich diesen „Diagnose-Zwang“ mittlerweile mehr als fragwürdig, wenn nicht echt problematisch – vor allem, weil das in der Praxis viel zu oft bedeutet, dass Leute wie wir ohne absehbare Hilfe im Regen stehen gelassen werden.

Bist Du auch so ein Leut, der/die/das sich irgendwie mit diesem ADHS- oder sonstigem neurodiversen Phänomen identifizieren kann? Mit oder ohne Diagnose?
Vielleicht hast Du schon dies und das gemacht … oder Du fühlst Dich „nur“ permanent penetrant irgendwie wuschig im Kopf und hättest da oben gerne mehr Ruhe und Klarheit?
Denn dies, das, Ananas. Letztendlich ist es egal was auf dem Papier steht.

Diagnosen sagen nichts.

Ich meine, wie auch? Schonmal eine Diagnose lautstark sabbeln gehört? 😉
Auf keinen Fall BIST Du Deine Diagnose, Du HAST maximal eine. Dasselbe Spiel gilt im Contextuellen Coaching übrigens auch für Gefühle, aber ich schweife ab … womit wir allerdings schon schön symptomatisch wären, denn ich will doch eigentlich nur mit Menschen zusammenarbeiten, die so bisschen ticken wie ich. Oder wie Du?

Ich will doch einfach nur Deine Ruhe haben!

Lena Schroeter

Also, was bitteschön ist Alpaka-Coaching?

Wozu befähigt Dich Deine Aufmerksamkeits“störung“ auch? Wie sehr erweitert sich Dein Horizont, wenn Du nicht strikt nach Effektivität funktionierst, weil Du vielleicht nicht auf Anhieb Wichtiges von Unwichtigem trennen kannst und erstmal in alle Richtungen denkst? Wie viel Kreativität wird freigesetzt, während Du Dich vordergründig schnell ablenken lässt, aber eigentlich mit Deiner Konzentration auf 17,5 Dingen gleichzeitig bist? Wie wichtig war Dir der Turnbeutel wirklich, den Du verbummelt hast; oder der Termin, der verpasst wurde? Ganz ehrlich?

Findest Du Deine schnelle Auffassungsgabe und Flexibilität im Redefluss nicht eigentlich ganz geil? Warum ist „Sprunghaftigkeit“ eigentlich ein so komisch negativ behaftetes Wort? Wären wir nicht alle manchmal gerne offenherzig stereotyp das Zappelphilipp-Kind, das locker flockig durch seine Welt springt? Wer hat denn den Masterplan von Zeitmanagement und zwanghafter Strukturierung erfunden? Funktionierst Du nicht eigentlich ganz gut, wenn man Dir Deinen Plan lässt? Und schonmal heimlich Deinen Hyperfokus als Superpower gefeiert?
Und ganz-ganz ehrlich? ADHS-Hirne sind auch einfach ganz schön klug, oder?

Mein Coaching für Menschen mit ADHS – und solche, die es werden wollen fühlen können. 

Versteh mich bitte nicht falsch. The struggle ist real. Wahrscheinlich muss ich nur ein paar Schlagwörter wie Affektlabilität, Stimmungswechsel, Desorganisation, mangelnde Affektkontrolle, Reizbarkeit, geringe Frustrationstoleranz, Impulsivität und emotionale Überreagibilität * in den Raum werfen, und Du wirst intuitiv haargenau wissen bis fühlen, was gemeint ist. Richtig?

Worum geht es eigentlich?

Vielleicht fandest Du eine Diagnose zu haben, auch erstmal ganz nice und irgendwie hilfreich … ich übrigens auch. Sehr sogar. Aber jetzt willst Du lieber wieder weg von der Identifikation mit einer Krankheit? – hin zu Vitalität und dem vollen Potential geistiger Wachheit, die so ein hyperaktives bis hypersensibles Gehirn schließlich auch mit sich bringt!?

Dann lass uns (erstmal) einfach nicht über Grenzen sprechen. Vielleicht ist wirklich alles ein Spektrum.
Deshalb habe ich keine Kriterien, nur eine einzige Testfrage: Fühlst Dich irgendwie „zu“ [insert your personal Selbstabwertung]? Was steht in Deiner Klammer?

Denn mal ehrlich? Du kannst zu recht ADHS nicht an Dir selbst diagnostizieren, aber spätestens, wenn Du immer noch hier liest, weißt Du genau, welchen Leidensdruck ich meine, oder? Selbst wenn bzw. gerade weil, Du keinen Bock mehr auf dieses Leiden hast …

* übrigens alle geklaut aus dem Katalog der Wender-Utah-Kriterien für ADHS im Erwachsenenalter.